Adjuvante endokrine Therapie: Wann beginnen?
Bei Hormon-sensitivem Brustkrebs ist die endokrine Therapie Standard. Doch wann sollte diese nach der OP starten und beeinflusst der Zeitpunkt das Überleben?
Antihormonelle Behandlung parallel zur Strahlentherapie?
Zusätzlich zur antihormonellen Behandlung gehört die adjuvante Strahlentherapie zum Standard beim eBC – zumindest bei Patientinnen, die sich einer brusterhaltenden Operation unterziehen.2 Die Bestrahlung der Thoraxwand nach einer Mastektomie wird hingegen von der AGO Kommission Mamma nur in den folgenden Fällen ohne Einschränkung (++) empfohlen:3
- > 3 positive Lymphknoten
- T3 / T4
- R0-Resektion nicht erreichbar (bei invasiven Tumoren)
- Bei jungen Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko
Eine antihormonelle Behandlung kann parallel zur Strahlentherapie erfolgen. Jedoch gibt es erste Hinweise darauf, dass dies zu erhöhten Raten an Lungenfibrose führen könnte.4 Somit wäre ein Beginn der ET erst nach Abschluss der Radiotherapie zu empfehlen. Die Evidenz hierfür ist allerdings noch gering, weshalb der Zusammenhang aktuell in Studien analysiert wird.
Von einem frühen Beginn der ET könnten hingegen Patientinnen profitieren, die aufgrund eines aggressiven oder weiter fortgeschrittenen Tumors und einem damit einhergehenden erhöhten Risiko eine neoadjuvante Chemotherapie erhalten.
Speziell in solchen Hochrisikogruppen wurde bislang nicht untersucht, welchen Einfluss der Zeitpunkt der ET hat. Erste Hinweise lieferten Sutton et al., die den Effekt des Intervalls zwischen Brust-OP und ET auf das Überleben untersuchten.4
Längeres Intervall = schlechteres Rezidiv-freies Überleben
Sutton et al. analysierten die Daten von 179 Patientinnen mit HR+ Brustkrebs, die sowohl eine neoadjuvante Chemotherapie als auch eine adjuvante Strahlentherapie erhielten und somit als Hochrisikogruppe eingestuft wurden.4 38 % (n = 68) der Patientinnen begannen bereits vor oder während der Radiotherapie mit ET, während 62 % (n = 111) erst danach mit der antihormonellen Behandlung anfingen.4 In der gesamten Gruppe lag das Intervall zwischen Brust-OP und Beginn der ET bei median 12 Wochen.
Nach einem medianen Follow-up von 49 Monaten war ein Intervall von mehr als 14 Wochen mit einem
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schlechteren Rezidiv-freien Überleben (Hazard Ratio [HR] 3,20; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,22-8,40; p = 0,02),
- aber nicht mit einem schlechteren Gesamtüberleben (HR 2,15; 95 %-KI 0,75-6,15; p = 0,15) assoziiert.4
Ärztinnen und Ärzte sollten somit die Vor- und Nachteile eines frühen vs. späteren Beginns der ET sorgfältig abwägen, so die Empfehlung der Studienautorinnen und -autoren.
Weitere Optionen bei erhöhtem Rezidivrisiko
Laut S3-Leitlinie kann eine Chemotherapie indiziert sein, wenn Risikofaktoren wie z. B. , ein großer Primärtumor, das Grading G3 und ein junges Alter (< 35 Jahre) vorliegen.2
Trotz der (neo-)adjuvanten Chemotherapie kommt es in den ersten 10 Jahren bei 20-30 % der Patientinnen – v. a. innerhalb der ersten 2 Jahre – zu einem Rezidiv.5,6 Welche Behandlung kann bei Betroffenen mit erhöhtem Rezidivrisiko zusätzlich herangezogen werden? Für prämenopausale Patientinnen wird von der AGO Kommission Mamma Ovarialsuppression in Kombination mit Tamoxifena oder Aromatasehemmerb für 5 Jahre empfohlen.
a OFS 2-5 Jahre, nur solange tolerabel und Patientin eindeutig prämenopausal
b AI nur in Kombination mit OFS bei prämenopausalen Patientinnen
Zudem ist seit April 2022 Abemaciclib (Verzenios ®)7,* bei Frauen und Männern mit HR+, HER2- eBC und hohem Rezidivrisiko# zugelassen und wird in Kombination mit einer endokrinen Therapie in den ersten 2 Jahren empfohlen.1
Antihormonelle Behandlung und dann?
5 Jahre endokrine Therapie sind vorbei – wie geht es nun weiter? Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter z. B. von dem Nodalstatus. Ob dieser auch bei postmenopausalen Patientinnen mit HR+ eBC den Benefit einer erweiterten adjuvanten Therapie beeinflusst, untersuchte eine Metaanalyse von randomisierten klinischen Studien.
* Abemaciclib (Verzenios ®) ist in Kombination mit einer endokrinen Therapie angezeigt für die adjuvante Behandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit HR+, HER2- nodal-positivem Brustkrebs im frühen Stadium mit einem hohen Rezidivrisiko#. Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sollte die endokrine Aromatasehemmer-Therapie mit einem LHRH-Agonisten (LHRH = Luteinising Hormone-Releasing Hormone) kombiniert werden.7
# Hohes Rezidivrisiko definiert als ≥ 4 positive axilläre Lymphknoten (paLN) oder 1–3 paLN und mind. eines der folgenden Kriterien: Tumorgröße ≥ 5 cm oder histologischer Grad 3.
- Gerber, Jackisch. Adjuvante endokrin-basierte Therapie bei prä- und postmenopausalen Patientinnen. Stand April 2023. unter: https://www.ago-online.de/fileadmin/ago-online/downloads/_leitlinien/kommission_mamma/2023/Einzeldateien/AGO_2023D_10_Adjuvante_Endokrine_Therapie.pdf (abgerufen am 15.05.2023).
- Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand Juni 2021. AWMF-Reg.-Nr. 032-045OL, unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLl_S3_Mammakarzinom_2021-07.pdf (abgerufen am 08.06.2022).
- Budach et al. Adjuvante Strahlentherapie. April 2023.
- Sutton TL et al. Delayed adjuvant endocrine therapy is associated with decreased recurrence-free survival following neoadjuvant chemotherapy for breast cancer. The American Journal of Surgery. 2023;225(5):861-865.
- Cheng L et al. Hazard of recurrence among women after primary breast cancer treatment--a 10-year follow-up using data from SEER-Medicare. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 2012;21(5):800-809.
- EBCTGG. Effects of chemotherapy and hormonal therapy for early breast cancer on recurrence and 15-year survival: an overview of the randomised trials. The Lancet. 2005;365(9472):1687-1717.
- Fachinformation Verzenios®, aktueller Stand.
PP-ON-DE-1874