- Fachinformation Verzenios®, aktueller Stand.
- Masuda H et al. Breast 2023; 71: 22–28.
Der CDK4 & 6-Inhibitor Abemaciclib(Verzenios®)* wird bei Hormonrezeptor-positivem (HR+), HER2-negativem (HER2-) Brustkrebs eingesetzt.1 Die häufigste Nebenwirkung ist eine Diarrhö, worüber wir bereits auf unserem Kanal berichteten.1,2 Normalerweise tritt die Abemaciclib-induzierte Diarrhö (AID) mit einem geringen Schweregrad auf.2 Insbesondere bei älteren Menschen kann die AID jedoch zu Dehydrierung und zur Hospitalisierung führen sowie die Lebensqualität und Adhärenz der Patient:innen beeinträchtigen.2 Loperamid gilt als Mittel der Wahl, um diese Nebenwirkung zu lindern, kann aber wiederum Obstipation hervorrufen.2 Daher untersuchte eine aktuelle Studie alternative Diarrhö-Therapien: Können Probiotika und Trimebutinmaleat (TM) die Häufigkeit von AID verringern, ohne Obstipation zu verursachen?2
In bisherigen Studien erwiesen sich Probiotika als effektiv bei Diarrhöen, welche durch (Radio-)Chemotherapien hervorgerufen wurden.2 Auch für TM wurde eine Wirksamkeit erwartet – als nicht-kompetitiver Muskarinrezeptor-Antagonist induziert die Substanz Kontraktionen der glatten Muskulatur und kann durch Bindung an Opioidrezeptoren antidiarrhoisch wirken.2
Vor diesem Hintergrund wurde die prospektive MERMAID-Studie konzipiert, die als erste Studie die Wirksamkeit von Probiotika und TM neben Loperamid zur AID-Therapie untersuchte.2 Frauen mit HR+, HER2- lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom wurden in zwei Gruppen (Arm A, n = 25; Arm B, n = 28) randomisiert.2 Beide Gruppen (A und B) erhielten für 28 Tage dreimal täglich eine endokrine Therapie, Abemaciclib, probiotische Bifidobakterien und, wenn nötig, Loperamid.2 Gruppe B wurde bei Auftreten von Diarrhö zusätzlich mit TM behandelt.2 Der primäre Endpunkt war die Häufigkeit einer Diarrhö von Grad ≥ 2.2 Sekundäre Endpunkte waren Sicherheit, Häufigkeit und Dauer von Diarrhö jeglichen Grades, Häufigkeit von Erbrechen und Verstopfung, Verwendung von Loperamid sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität.2
Der Einsatz von Probiotika, alleine oder in Kombination mit TM, erwies sich nicht als überlegen gegenüber Loperamid.2 Die Autor:innen fassten zusammen, dass Loperamid weiterhin, wie von den Leitlinien empfohlen, Mittel erster Wahl bleiben sollte.2 Im Vergleich zu historischen Kontroll-Daten konnten schwerwiegende Diarrhöen mit der Kombination aus Probiotika, TM und Loperamid jedoch reduziert werden, während die Obstipations-Rate unverändert blieb.2 Weitere Studien zu dieser Fragestellung sind erforderlich.2
Das Vorgehen bei Diarrhö wird in der Fachinformation von Abemaciclib(Verzenios®)* je Schweregrad beschrieben.1 Beim ersten Anzeichen von dünnem Stuhl wird eine Therapie mit einem Antidiarrhoikum wie Loperamid empfohlen.1
Toxizität (nach NCI CTCAE-Kriterien) | Empfehlungen der Fachinformation |
Grad 1 | Keine Dosisanpassung notwendig. |
Grad 2 | Bei keiner Besserung innerhalb von 24 Stunden auf Grad 1 oder niedriger, Behandlung bis zur Besserung unterbrechen. Dosisreduktion nicht erforderlich. |
Grad 2 persistierend oder erneut auftretend nach Fortsetzung der Therapie mit gleicher Dosis trotz bestmöglicher supportiver Maßnahmen Grad 3 oder 4 oder erforderliche Hospitalisierung |
Unterbrechung der Behandlung bis zur Besserung der Toxizität auf Grad 1 oder niedriger. Fortführung der Therapie mit nächstniedrigerer Dosis. |
Tab. 1: Empfehlungen zum Vorgehen bei Abemaciclib-induzierter Diarrhö. Modifiziert nach 1.
Dieser Beitrag wird Ihnen präsentiert von Lilly.
* Brustkrebs im frühen Stadium: Abemaciclib (Verzenios®) ist in Kombination mit einer endokrinen Therapie angezeigt für die adjuvante Behandlung von erwachsenen Patient:innen mit HR+, HER2-, nodal-positivem Brustkrebs im frühen Stadium mit einem hohen Rezidivrisiko#.1 Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sollte die endokrine Aromatasehemmer-Therapie mit einem LHRH-Agonisten (LHRH = Luteinising Hormone Releasing Hormone) kombiniert werden.1
Fortgeschrittener oder metastasierter Brustkrebs: Abemaciclib (Verzenios®) ist angezeigt zur Behandlung von Frauen mit HR+, HER2- lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant als initiale endokrine Therapie oder bei Frauen mit vorangegangener endokriner Therapie.1 Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sollte die endokrine Therapie mit einem LHRH-Agonisten kombiniert werden.1
# Hohes Rezidivrisiko definiert als ≥ 4 positive axilläre Lymphknoten (paLN) oder 1–3 paLN und mind. eines der folgenden Kriterien: Tumorgröße ≥ 5 cm oder histologischer Grad 3.1
PP-AL-DE-2339