Nicht nur körperlich: Psychische Belastung bei Krebs

Krebs geht oft mit psychischer Belastung einher: Was können Sie Patienten und Angehörigen raten? Ein Überblick zu möglichen Interventionen & Anlaufstellen.

1. Was durchleben die Patient:innen?

Patient:innen mit einer Krebserkrankung müssen sich nach der Diagnose neu orientieren und sehr häufig ihr gesamtes Familien- und Berufsleben umstellen.1 Dabei durchleben sie oft Gefühle der Hilflosigkeit, Angst oder Trauer und leiden unter den Auswirkungen der Erkrankung sowie Therapie, wie z. B.

All dies wirkt sich negativ auf die Bewältigung der Erkrankung und Psyche der Patient:innen aus. Diese Belastung ist messbar: 8-24 % leiden an Depressionen. Im restlichen Teil der Bevölkerung liegt die Prävalenz nur bei 7 %.2

Expert:innen fassen die beschriebenen Symptome unter dem Begriff des psychosozialen Stresses zusammen. Dieser Begriff beinhaltet die körperliche und seelische Belastung sowie die sozialen Probleme und insgesamt verringerte Lebensqualität. Auch wenn es für die Verarbeitung einer solchen Situation kein Patentrezept gibt, gibt es Tipps, wie Patient:innen individuell mit ihrer Krankheit umgehen können.3

2. Was können Sie Patient:innen raten?

Neueren Untersuchungen zufolge gelingt Patient:innen, die flexibel reagieren können, die Auseinandersetzung mit der Erkrankung am besten. Das ist einfacher gesagt als getan. Daher gibt es konkrete Vorschläge, wie Patient:innen mit der Krankheit umgehen können:

Ein enger Austausch mit den Betroffenen ist daher wichtig, um diesen eine Orientierung in der schwierigen Lebenssituation zu geben.1

Zudem kann eine Überweisung zum Psychologen vielen Betroffenen helfen: Laut Befragungen leidet mehr als die Hälfte der Krebspatient:innen unter einer erhöhten psychischen Belastung; ein Drittel ist so stark beeinträchtigt, dass die Kriterien für eine psychische Erkrankung, z. B. für eine Depression, erfüllt sind. Analog hierzu wünscht sich ca. die Hälfte der Krebspatient:innen psychosoziale Unterstützung für den Umgang mit Ängsten, Depressivität und Traurigkeit sowie den Themen Sterben und Tod. Expert:innen zufolge können psychosoziale Beratungsgespräche die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.3

Psychoonkologische Interventionen für Patient:innen

Um die Erkrankung aktiv zu verarbeiten, können Patient:innen u. a. auf Mind-Body-Interventionen oder kreative Hobbies zurückgreifen:4

3. Was können Sie Angehörigen raten?

Oft ist es für Außenstehende schwer zu erkennen, ob Betroffene nur niedergeschlagen sind oder professionelle Hilfe benötigen.3 In jedem Fall hilft den Patient:innen die Anteilnahme der Angehörigen: sie sollten bei den Patient:innen aktiv nachfragen, ob und wie sie helfen können. Bei weiteren Fragen können Sie Angehörige auch an Beratungsstellen und Psychotherapeut:innen verweisen.5

4. Welche Anlaufstellen gibt es?

Um Hilfe bei dem Umgang mit psychischen und sozialen Folgen einer Krebserkrankung zu erhalten, können sich Patient:innen und Angehörige an psychosoziale Krebsberatungsstellen wenden.

Diese sind in vielen Städten und Gemeinden vor Ort, eine Liste der Psychoonkolog:innen und anderer Anlaufstellen können Patient:innen z. B. auf der Webseite des Krebsinformationsdienst des deutschen Krebsforschungsinstituts finden.1 Auch andere Formen des Austausches und der Therapie wie z. B. Selbsthilfegruppen für Betroffene oder Angehörige können helfen.5


Quelle

  1. DKFZ Krebsinformationsdienst. Krebs und Psyche: Die Krankheit bewältigen. 04.04.2023. unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krebs-psyche/bewaeltigung.php (zuletzt abgerufen am 18.04.2024).
  2. Krebber A et al. Prevalence of depression in cancer patients: a meta‐analysis of diagnostic interviews and self‐report instruments. Psycho-Oncology. 2013;23(2):121-130.
  3. DKFZ Krebsinformationsdienst. Psychologische Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung. 04.11.2016. unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krebs-psyche/psychologische-beratung.php (zuletzt abgerufen am 18.04.2024).
  4. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatient*innen, Langversion 2.1, 2023, AWMF-Registernummer: 032-051OL https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/psychoonkologie/ (zuletzt abgerufen am 31.05.2024).
  5. DKFZ Krebsinformationsdienst. Krebs: Hilfe für Familie, Angehörige und Freunde. 23.11.2022. unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krebs-psyche/angehoerige.php (zuletzt abgerufen am 18.04.2024).

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