Onco-Coaching verbessert Therapiepersistenz<br>Im Gespr&auml;ch mit Dr. med. Manfred Welslau

Ein strukturiertes Coaching kann Brustkrebs-Betroffenen helfen, ihre Therapie zu verstehen und langfristig zu befolgen, wie die Studie IMPACT zeigt. In der neuen Folge von &bdquo;Brustgefl&uuml;ster&ldquo; besprechen Prof. Marc Thill und Dr. med. Manfred Welslau, worauf es hierbei ankommt.

Jetzt reinhören

Hoher Unterstützungsbedarf

Die Einführung neuer Therapieoptionen habe bei allen Brustkrebsentitäten für das medizinische Personal und die Betroffenen zu neuen Herausforderungen geführt; so Prof. Marc Thill, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und gynäkologische Onkologie am Agaplesion Markus Krankenhaus in Frankfurt a. M.. Probleme seien etwa bisher unbekannte Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, die nicht selten zum Therapieabbruch führten. Dies sei vor allem ein Problem bei älteren Patienten, die meist bereits mehrere Medikamente erhielten, aber auch bei oralen Therapien, da sie in der Regel zuhause angewendet würden, ergänzte Dr. Manfred Welslau, Chefarzt der Medizinischen Klinik IV Hämatologie und internistische Onkologie des Zentrums für Innere Medizin am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau. Hinzu komme, dass mehr als die Hälfte der onkologischen Patienten beim Arztgespräch überfordert und daher über die Therapie und ihre Anwendung unzureichend informiert sei.

Strukturiertes Onco-Coaching gibt Sicherheit

Vor diesem Hintergrund entwickelte Dr. Welslau ein Onco-Coaching-Konzept, das auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen eingeht, um die geplante Therapie optimal auszunutzen, Ängste zu nehmen und Sicherheit zu geben. Hierzu begleiten geschulte Pflegekräfte die Patienten in strukturierten Gesprächen interaktiv durch die Therapie. Alltagsrelevante Fragen etwa nach der Ernährung oder soziale Themen werden einbezogen, um bei der Bewältigung der Erkrankung zu helfen und die Therapieadhärenz zu verbessern. Als strukturierte Grundlage werde bei oralen Krebstherapien das MASCC Oral Agent Teaching Tool (MOATT©) verwendet, so Welslau. Neben allgemeinen Fragen zur aktuellen und künftigen Therapie, etwa ob Probleme bestehen, Tabletten zu schlucken, werden spezifische Herausforderungen der geplanten Therapie wie die Nebenwirkungen angesprochen. Erst wenn ein abschließender Test zeigt, dass die Patienten alles verstanden haben, darf das Medikament eingenommen werden.

IMPACT zeigt Vorteile des Onco-Coachings

Welchen positiven Einfluss das Onco-Coaching auf die Therapiepersistenz bei oralen Therapien haben kann, erläuterte Welslau am Beispiel der Studie IMPACT.1 Sie umfasste 211 Menschen mit frühem HR+, HER2- Brustkrebs und hohem Rückfallrisiko, die entweder ein Patienten-Coaching nach dem lokalen Betreuungsstandard oder dem MOATT© erhielten. Nach einem ersten Coaching vor Behandlungsbeginn erhielten alle Teilnehmenden zur Reduktion des Rezidivrisikos den CDK4 & 6 Inhibitor Abemaciclib (Verzenios®)2,a in Kombination mit einer endokrinen Therapie, wobei bis Woche 24 fünf weitere Coachings erfolgten. Zu diesem Zeitpunkt war die Persistenzrate im MOATT©-Arm mit 81,6 % deutlich höher als im Vergleichsarm (68,9 %) und auch die Persistenzzeit war um ca. 40 % verlängert. Das relativ einfach zu implementierende Tool des Onco-Coachings könne somit das Therapiemanagement von oralen Krebstherapien deutlich verbessern, so Welslaus Bilanz.

Hören Sie sich hier die vollständige Podcast-Folge an.

a Abemaciclib (Verzenios®) ist in Kombination mit einer endokrinen Therapie angezeigt für die adjuvante Behandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit HR+, HER2- nodal-positivem Brustkrebs im frühen Stadium mit einem hohen Rezidivrisiko#. Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sollte die endokrine Aromatasehemmer-Therapie mit einem LHRH-Agonisten (LHRH = Luteinising Hormone- Releasing Hormone) kombiniert werden. Abemaciclib ist angezeigt zur Behandlung von Frauen mit HR+, HER2- lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant als initialer endokriner Therapie oder bei Frauen mit vorangegangener endokriner Therapie.2 Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sollte die endokrine Therapie mit einem LHRH-Agonisten kombiniert werden.

# Hohes Rezidivrisiko definiert als ≥ 4 positive axilläre Lymphknoten (paLN) oder 1–3 paLN und mind. eines der folgenden Kriterien: Tumorgröße ≥ 5cm oder histologischer Grad 3.


Quelle

  1. Welslau M.K. et al. Persistence under abemaciclib and endocrine treatment (ABA+ET) in patients with advanced breast cancer (aBC): First results of the randomized IMPACT trial comparing patient coaching with the MASCC oral agent teaching tool (MOATT) versus local routine patient coaching (LC) unter:https://www.annalsofoncology.org/article/S0923-7534(23)01391-1/fulltext
  2. Fachinformation Verzenios®, aktueller Stand; https://www.lilly-pharma.de/verzenios

PP-AL-DE-2617