Ärzte vs. Ärztinnen: Wer behandelt wie?

Ärztinnen vs. Ärzte: Bei wem ist die Mortalitätsrate ihrer hospitalisierten Patient:innen niedriger – und beraten sie Patientinnen anders als Patienten?

Mortalitätsrate & Rehospitalisierungen analysiert

Anhand von US-Versicherungsdaten konnten Miyawaki et al. die 30-Tage-Mortalitätsrate sowie die Rate an Rehospitalisierungen von Patient:innen vergleichen – abhängig davon, ob diese von Ärztinnen oder Ärzten behandelt worden waren.1

Insbesondere Frauen profitierten von der Behandlung durch eine Ärztin: Die adjustierte Mortalitätsrate betrug 8,15 % verglichen mit 8,38 % bei Patientinnen, die von einem Arzt behandelt wurden (average marginal effect −0,24 Prozentpunkte [Konfidenzintervall −0,41 bis –0,07 Prozentpunkte]).1

Für die Rate an Rehospitalisierungen zeigte sich ein ähnliches Bild wie für die Mortalitätsrate.1

Ärztinnen priorisierten Sorgen der Patient:innen stärker

Um die Hintergründe dieser Ungleichheit aufzudecken, führte eine britische Arbeitsgruppe Interviews mit 38 Expert:innen, Patient:innen und Ärzt:innen aus der Onkologie durch. Zudem bestätigten sie die qualitativen Ergebnisse mithilfe einer quantitativen Umfrage (91 onkologische Patient:innen und 93 Hausärzt:innen/Onkolog:innen).2

Erkenntnis #1: Ärztinnen scheinen personenzentrierter zu behandeln

Erkenntnis #2: Patientinnen erhielten mehr emotionalen Support, Patienten mehr Information

Zudem waren sich 80 % aller Ärzt:innen einig, dass emotionaler Support zur Aufgabe der onkologischen Fachpflegekraft gehört. Diese Rolle wird wiederum fast vollständig von Frauen eingenommen (96 % in Großbritannien).2

Sind Frauen emotionaler – oder priorisieren sie die Prävention?

Analog zur höheren Priorisierung von emotionalem Support bei Patientinnen sahen die Ärzt:innen sie auch als emotionaler an. Zudem stimmten fast drei Viertel (70 %) überein, dass bei Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie mit „milden“ Symptomen in die Praxis kommen.2

Laut der britischen Arbeitsgruppe zeigt dies, dass Krankheitsprävention im Gesundheitswesen weiterhin eine niedrige Priorität hat und Patient:innen, die proaktiv mit milden Symptomen vorstellig werden, nicht honoriert werden.2

Sowohl das Geschlecht der Ärzt:innen als auch der Patient:innen könnte den Ergebnissen zufolge aufgrund verschiedener Faktoren durchaus einen Einfluss auf das Outcome bei Krebspatient:innen haben.2

Für eine patientenzentrierte Behandlung müssen allerdings genügend Kapazitäten vorhanden sein. Prof. Andreas Hartkopf, Tübingen, erläuterte in einem Interview, welche Kapazitätsprobleme aktuell in Deutschland bestehen.
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Quelle

  1. Miyawaki A et al. Comparison of Hospital Mortality and Readmission Rates by Physician and Patient Sex. Ann Intern Med. 2024;177(5):598-608.
  2. Bennis H et al. Gender Bias: The ‘Invisible’ Barrier to Equitable Healthcare. Ipsos, https://www.ipsos.com/sites/default/files/ct/publication/documents/2024-11/Gender%20Bias_Nov2024.pdf (abgerufen am 06.01.2025).

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