Diarrhoe behandeln & Therapieabbrüche vorbeugen

Diarrhoe kommt häufig als Nebenwirkung von Krebsbehandlungen vor: Wie oft brechen Patienten die Therapie deswegen ab & wie kann entgegengewirkt werden?

Chemo- und zielgerichtete Therapien können zu Diarrhoe führen

Diarrhoe tritt im Laufe der Krebstherapie häufig als unerwünschte Nebenwirkung auf. Dabei zeigt sich eine hohe Inzidenz bei Patient:innen, die Chemotherapien (v. a. 5-Fluoruracil, Irinotecan oder Capecitabin) erhalten.1 Zudem kann Diarrhoe im Rahmen von zielgerichteten Therapien vorkommen, v. a. unter der Gabe von Inhibitoren der folgenden Targets:1

Wie stark beeinflusst die Diarrhoe in solchen Fällen die Therapieadhärenz der Patient:innen?

Abbruchrate bei Diarrhoe signifikant erhöht

In einer Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2021 wurden die Daten von 104.135 erwachsenen Patient:innen mit soliden oder hämatologischen Tumoren analysiert. Die Daten enthielten Matched-Pairs bestehend aus Patient:innen mit krebsassoziierter Diarrhoe (CRD) und Patient:innen ohne CRD. Weiterhin wurden die Teilnehmer:innen nach der initialen Krebsbehandlung gruppiert: Chemotherapie, zielgerichtete Therapie oder beide Behandlungen.2

Das Ergebnis: In der CRD-Gruppe brachen Patient:innen ihre Therapien insgesamt häufiger ab verglichen mit denjenigen ohne CRD (82,4 % vs. 64,6 %). Innerhalb der Behandlungsgruppen bestätigte sich die Beobachtung:2

Welche Optionen gibt es, um die Diarrhoe effektiv zu behandeln und die Therapiefortführung zu unterstützen?

So kann eine effektive Behandlung in der Praxis aussehen:

Eine 47-jährige Patientin erhielt im Dezember 2020 die Diagnose HR+, HER2- Mammakarzinom mit multiplen Metastasen im Skelett und der Leber (G2 cT2 N0 M1). Welche Therapie bekam sie und wie wurde die anfängliche Diarrhoe behandelt?

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Schweregrad bestimmen & den Therapieabbruch vorbeugen

Nach den Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE) des National Cancer Institute (NCI) kann die Diarrhoe in 5 Schweregrade eingeteilt werden:3

Unkomplizierte Diarrhoen vom Grad 1 und 2 (ohne Risikokonstellation) sollten mit Loperamid behandelt werden. Dosisreduktionen sollten individuell und unter Beachtung der jeweiligen Fachinformation erfolgen.3

Bei schweren Diarrhoen oder bei Patient:innen mit milden bis moderaten Diarrhoen und gleichzeitigem Auftreten von Komplikationen sollte eine stationäre Aufnahme und enge Überwachung der Betroffenen erfolgen.1 Zu den Komplikationen gehören:1

Sidekick App: Eine Option bei brustkrebsassoziierter Diarrhoe?

Als therapiebegleitendes Programm über 14 Wochen kann die kostenlose Sidekick-App Betroffene mit Brustkrebs bei Nebenwirkungen wie z. B. Diarrhö und Fatigue unterstützen. Aber auch bei der Medikamenteneinnahme, dem Stressmanagement und der Vorbereitung auf das Praxisgespräch kann die App hilfreich sein.

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Quelle

  1. Bossi P et al. Diarrhoea in adult cancer patients: ESMO Clinical Practice Guidelines. Ann Oncol. 2018;29(Suppl 4):iv126-iv142.
  2. Okhuysen PC et al. The impact of cancer-related diarrhea on changes in cancer therapy patterns. J Clin Oncol. 2021;39(15_suppl):12111-12111.
  3. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft DK, AWMF). S3-Leitlinie: Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen. Stand Februar 2020. AWMF-Reg.-Nr. 032/054OL, unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Supportivtherapie/LL_Supportiv_Langversion_1.3.pdf (abgerufen am 21.11.2022).
PP-AL-DE-2166