Fallauflösung: Remission unter CDK4 & 6-Hemmung
Die kontinuierliche** Therapie mit Abemaciclib (Verzenios<sup>®</sup>)<sup>#,</sup><sup>1</sup> in Kombination mit Letrozol führte bei der 47-jährigen prämenopausalen Patientin zu einer Regression des Primärtumors und der Metastasen. Sehen Sie im Beitrag, wie sich die klinische Symptomatik und der bildgebende Befund fortlaufend verbesserten bei guter Verträglichkeit.
Sie haben den 1. Teil der Kasuistik verpasst? Hier geht’s zur Diagnostik & Bildgebung.
Klinische Symptomatik besserte sich rasch
Bei der Patientin bestand nach S3-Leitlinie keine OP-Indikation, jedoch sollte eine osteoprotektive Therapie mit Bisphosphonaten oder Denosumab erfolgen. Zudem empfiehlt die S3-Leitlinie2 eine endokrine Therapie in Kombination mit einer zielgerichteten Therapie. So wurde noch während der Radiotherapiea eine palliative Therapie mit Abemaciclib (Verzenios®) 150 mg p. o. BID + 1x tägl Letrozol 2,5 mg p. o. + Leuprorelin 3,57 mg s. c. q4w sowie Denosumab 120 mg s. c. q4w eingeleitet.
Zu Therapiebeginn trat eine Diarrhoe CTCAE v5.0 Grad 2 auf. Diese besserte sich mit Loperamid (2x 4 mg Kapseln, gefolgt von 1x 4 mg Kapsel nach jedem Stuhlgang) innerhalb von 12 Stunden auf Grad 1 und bildete sich innerhalb weniger Tage komplett zurück. Zudem waren die Rückenschmerzen rückläufig.
Kontinuierlicher Rückgang von Tumor & Metastasen
Im Therapieverlauf zeigte die Bildgebung folgende Besserungen (Abb. 2):
-
CT Thorax/Abdomen (03/2021): größenregredientes Mammakarzinom (2,3 cm) sowie eine regrediente hepatische Metastasierung und eine Mehrsklerosierung der bekannten ossären Metastasen
-
MRT der Wirbelsäule (03/2021): im Vergleich zur Voruntersuchung größenkonstante multiple ossäre Metastasen
-
CT (06-09/2021): kontinuierlicher Rückgang von Tumor und Metastasen
-
CT Thorax/Abdomen (12/2021): konstante Darstellung des Mammakarzinoms rechts (1,9 cm) und der ausgeprägten ossären Metastasierung mit pathologischer Fraktur BWK 1, LWK 4 sowie eine weiterhin größenregrediente hepatische Metastasierung
-
Ganzkörperskelettszintigraphie (12/2021): pathologische Mehranreicherungen insbesondere in der unteren LWS, im Beckenbereich sowie in den Anteilen der linken Scapula leicht rückläufig
Abbildung 2: Befunde im Dezember 2021: D) größenregredientes Mammakarzinom (1,9 cm) E) regrediente hepatische Metastasierung F) Die pathologischen Mehranreicherungen sind leicht rückläufig.
Rasches Ansprechen konnte Chemotherapie zeitlich verschieben
Das Mammakarzinom wies in diesem Fall ungünstige Charakteristika* auf, die sich in einem hohen Ki-67-Index und in einer ausgedehnten Metastasierung in 2 Organsysteme, Knochen und Leber, zeigten. Mit der kombinierten endokrinen Therapie mit Abemaciclib konnte ein rasches Ansprechen erreicht und damit eine nachfolgende Chemotherapie auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Dabei könnte es eine Rolle gespielt haben, dass Abemaciclib aufgrund seiner besonderen Kinasenaktivität als einziger CDK4/6-Inhibitor kontinuierlich** ohne Pause gegeben werden kann, was insbesondere bei aggressiven, schnell wachsenden Tumoren von Bedeutung sein könnte. Auch in den Studien Monarch 2 und Monarch 3 zeigte sich, dass u.a. Patientinnen mit ungünstigen Prognosefaktoren*, wie viszeralen Metastasen oder frühem Rezidiv, durch die Hinzunahme von Abemaciclib profitierten.3,4
Welche Empfehlungen gibt die AGO Kommission Mamma auf Basis der Studienergebnisse von MONARCH 2 und MONARCH 3? Erhalten Sie hier einen Überblick zu dem Update aus dem Jahr 2023:
Hätten Sie gerne mehr Details zum beschriebenen Fall oder möchten sich durch die gesamte Kasuistik klicken? Hier können Sie interaktiv teilnehmen:
Zur Kasuistik
* In prospektiven und retrospektiven Subgruppenanalysen zu den Zulassungsstudien MONARCH 2 und 3 wurden folgende Krankheitsmerkmale als prognostisch ungünstige Faktoren identifiziert: Lebermetastasen, PgR-negativ, hohes Tumorgrading oder kurzes therapiefreies Intervall (TFI < 36 Monate).5
** Die empfohlene Dosis beträgt 150 mg 2x tgl. Verzenios® und sollte kontinuierlich eingenommen werden, sofern keine Krankheitsprogression oder inakzeptable Toxizität auftritt. Bestimmte Nebenwirkungen können eine Dosisunterbrechung und/oder -reduktion erforderlich machen.1
# Verzenios® ist angezeigt zur Behandlung von Frauen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem, humanem epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-2 (HER2)-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant als initiale endokrine Therapie oder bei Frauen mit vorangegangener endokriner Therapie.1
a Derzeit liegen keine prospektiven klinischen Daten zur Anwendung von Abemaciclib mit gleichzeitiger Radiotherapie (RT) bei Brustkrebspatientinnen vor. Daher ist bei gleichzeitiger Anwendung von Abemaciclib und RT Vorsicht geboten.
- Fachinformation Verzenios®, aktueller Stand.
- Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand Juni 2021. AWMF-Reg.-Nr. 032-045OL, unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLl_S3_Mammakarzinom_2021-07.pdf (abgerufen am 08.06.2022).
- Sledge GW, Jr et al. MONARCH 2: Abemaciclib in Combination With Fulvestrant in Women With HR+/HER2− Advanced Breast Cancer Who Had Progressed While Receiving Endocrine Therapy. J Clin Oncol. 2017;35(25):2875-2884.
- Johnston S et al. MONARCH 3 final PFS: a randomized study of abemaciclib as initial therapy for advanced breast cancer. npj Breast Cancer. 2019;5(1):5.
- Di Leo A et al. Prognostic characteristics in hormone receptor-positive advanced breast cancer and characterization of abemaciclib efficacy. NPJ Breast Cancer. 2018;4:41.
PP-AL-DE-2124