Kardiovaskuläres Risiko nach Krebstherapie erhöht
Erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei Krebsüberlebenden – wie sieht es bei Brustkrebs aus? Und welche Ursachen könnten dahinterstecken?
Höheres Risiko, auch bei Brustkrebsüberlebenden
In ihrer Metaanalyse, veröffentlicht im August 2024, konnten Ng et al. zeigen, dass bei Krebsüberlebenden im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein höheres Risiko für den Tod durch kardiovaskuläre Erkrankungen besteht. Das Risiko variierte dabei je nach Erkrankung sowie nach Krebsart.1
Eine weitere Metaanalyse von Galimzhanov et al. wertete 26 Studien mit 836.301 Brustkrebsüberlebenden aus.2 Im Vergleich zu einer Referenzbevölkerung wiesen die Betroffenen ein höheres Risiko für
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kardiovaskuläre Mortalität innerhalb von 5 Jahren (Hazard Ratio [HR] 1,09; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,07-1,11),
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Herzinsuffizienz innerhalb von 5-10 Jahren (HR 1,19; 95 %-KI 1,1-1,29) und
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Vorhofflimmern innerhalb von 3 Jahren (HR 1,13; 95 %-KI 1,05-1,21) nach der Krebsdiagnose auf.2
Was könnte dem Risiko zugrunde liegen?
Laut den Studienautor:innen der zweiten Metaanalyse könnte das erhöhte Risiko darauf beruhen, dass Brustkrebs und kardiovaskuläre Erkrankungen gemeinsame Risikofaktoren und pathophysiologischen Mechanismen aufweisen.2
Hinzu kommt die kardiovaskuläre Toxizität von bestimmten Brustkrebsbehandlungen (wie Chemotherapie, zielgerichtete Therapie, Immuntherapie und Strahlentherapie):2
- So tragen z. B. Anthrazykline und Trastumuzab spezifisch zu einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz bei.
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Aromatasehemmer sind wiederum mit mehreren Pathologien assoziiert, die zu einem höheren Risiko für einen Myokardinfarkt und kardiovaskuläre Mortalität führen können (im Vergleich zu Estrogenrezeptormodulatoren wie Tamoxifen).
- Die Strahlentherapie kann wiederum vaskuläre Endothelzellen sowie glatte Muskelzellen schädigen und dadurch pathologische Vorgänge auslösen, die zur Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit beitragen.
Was tun, um das Risiko zu senken?
Zu den Empfehlungen der Studienautor:innen gehören u. a.:2
- Behandlung von kardiovaskulären Risikofaktoren (z. B. Hypertonie, Diabetes mellitus, Dyslipidämie, Lebensstil)
- Management von Blutdruck, Glukosespiegel und Hypercholesterinämie sowie Behandlung von Nikotinabusus nach aktuellen internationalen Leitlinien
Kardiovaskuläre Effekte von CDK4 & 6 Inhibitoren
CDK4 & 6 Inhibitoren gehören bei Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem metastasiertem Brustkrebs zum Therapiestandard.3 Um mögliche kardiovaskuläre Auswirkungen dieser zielgerichteten Therapien aufzudecken, wurde u. a. deren Effekt auf das QT-Intervall untersucht.
Abemaciclib (Verzenios®)a: Bei der mittleren Maximalkonzentration von Abemaciclib im Steady-State bei therapeutischer Dosierung wurden bei 144 Patientinnen mit fortgeschrittener Krebserkrankung keine großen Veränderungen (d. h. > 20 ms) des QT-Intervalls festgestellt.4
Ribociclib (Kisqali®): Unter der Therapie mit Ribociclib tritt eine verlängerte QT-Zeit häufig als Nebenwirkung auf (≥ 1/100 bis < 1/10) und erfordert eine Dosisunterbrechung/-anpassung. Daher ist die Anwendung bei Patient:innen, bei denen bereits eine QT-Verlängerung oder ein entsprechendes signifikantes Risiko dafür vorliegt, zu vermeiden. Zudem sollte vor Beginn der Behandlung bei allen Patient:innen ein EKG ausgewertet werden und die Therapie nur bei Patient:innen mit QT-Werten von < 450 ms eingeleitet werden.5
Palbociclib (Ibrance®): Palbociclib führte bei 77 Brustkrebspatientinnen bei der empfohlenen Dosis von 125 mg pro Tag zu keiner Verlängerung des QT-Intervalls in klinisch relevantem Ausmaß.6
Themenreihe „Nebenwirkungen bei Brustkrebs“
Einen Überblick zu den Nebenwirkungen, die im Laufe einer Brustkrebstherapie auftreten können, erhalten Sie zudem in den folgenden Beiträgen:
Teil 1: Fatigue: 5 mögliche Wege aus der Erschöpfung
Teil 2: Diarrhoe behandeln & Therapieabbrüche vorbeugen
Teil 3: Neutropenie bei CDK4 & 6i: Zahlen, Daten und Fakten beim mBC
- Ng HS et al. Cardiovascular mortality in people with cancer compared to the general population: A systematic review and meta-analysis. Cancer Med. 2024;13(15):e70057.
- Galimzhanov A et al. Cardiovascular outcomes in breast cancer survivors: a systematic review and meta-analysis. Eur J Prev Cardiol. 2023;30(18):2018-2031.
- Fehm, Hartkopf. Endokrin-basierte und zielgerichtete Therapie des metastasierten Mammakarzinoms. Stand April 2024. unter:
https://www.ago-online.de/fileadmin/ago-online/downloads/_leitlinien/kommission_mamma/2024/Einzeldateien/AGO_2024D_18_Endokrine_und_zielger_Therapie_met.pdf (zuletzt abgerufen am 19.07.2024).
- Fachinformation Verzenios®, aktueller Stand.
- Fachinformation Kisqali®, aktueller Stand.
- Fachinformation Ibrance®, aktueller Stand.
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