DKK: Highlights zweier Brustkrebs-Symposien

Prof. Nadia Harbeck & weitere Expert:innen diskutierten auf dem DKK aktuelle Daten zu CDK4 & 6i bei Brustkrebs. Welche Implikationen zeigen sich für die Praxis?

Auf dem diesjährigen DKK gab es u. a. zwei Symposien rund um das Hormonrezeptor-positive (HR+), HER2-negative (HER2-) Mammakarzinom:

Welche Highlights ergaben sich aus den beiden Symposien?

eBC: Korreliert der Nutzen einer Therapie mit dem absoluten Rezidivrisiko?

Abemaciclib ist in Kombination mit einer endokrinen Therapie (ET) zur adjuvanten Behandlung von HR+, HER2- nodal-positivem eBC* mit hohem Rezidivrisiko# zugelassen.1 In der Phase-III-Studie monarchE wurde das Rezidivrisiko wie folgt definiert:2

Inzwischen liegen auch für andere CDK4 & 6 Inhibitoren Studiendaten im adjuvanten Setting vor:

Anders als bei monarchE konnten auch nodal-negative Frauen an der NATALEE-Studie teilnehmen; zudem wurde Ribociclib über 3 Jahre in einer Dosierung von 400 mg/Tag (niedrigere Dosierung als beim mBC zugelassen) gegeben. Aktuell ist Ribociclib nicht in der Adjuvanz zugelassen.

Auf dem DKK diskutierte Prof. Wolfgang Janni gemeinsam mit Prof. Achim Wöckel, Würzburg, die Frage, wie hoch der Benefit in dieser intermediären Risikogruppe sein wird. Dabei wies Prof. Janni darauf hin, dass die absolute Risikosenkung immer mit dem absoluten Rezidivrisiko korreliert.

monarchE: Studiendaten zu Abemaciclib in der Adjuvanz

Die Therapieoption Abemaciclib plus ET hat im März 2024 von der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) weiterhin den Empfehlungsgrad (+) erhalten.5

Basis für die Zulassung im Jahr 2022 waren die Ergebnisse der Kohorte 1~ (n = 5.120) aus der globalen Phase-III-Studie monarchE, in der Patient:innen mit eBC und hohem Rezidivrisiko# über 24 Monate Abemaciclib plus ET oder die alleinige endokrine Standardtherapie erhielten. Nach 2 Jahren wurde die ET gemäß klinischer Indikation für weitere 3-8 Jahre allein fortgesetzt.2

Die beim ESMO 2023 vorgestellten 5-Jahres-Daten (geplante Interimsanalyse der monarchE-Studie) nach einem medianen Follow-up von 54 Monaten zeigten die anhaltende Wirksamkeit der 2-jährigen Behandlung mit Abemaciclib plus ET:6

a IDFS: Überleben ohne Auftreten einer invasiven Erkrankung; b DRFS: fernmetastasenfreies Überleben

Das Delta zwischen den Therapiearmen vergrößerte sich über die Zeit (beim IDFS von 3,2 % nach 2 Jahren auf 7,9 % nach 5 Jahren, beim DRFS von 2,9 % nach 2 Jahren auf 7,1 % nach 5 Jahren), obwohl die Behandlung mit Abemaciclib bereits nach 2 Jahren abgeschlossen war.6

Nodalstatus als Prognosefaktor: Wann bestimmen?

In seinem Vortrag ging Prof. Wöckel spezifisch auf den Nodalstatus als – aus seiner Sicht wichtigsten – Prognosefaktor ein und erläuterte, warum die präoperative Bildgebung für den Einsatz einer endokrinen Kombinationstherapie essenziell ist:

Bei der Gabe von neoadjuvanten Therapien können die Lymphknoten und der Tumor unterschiedlich gut auf die Therapie ansprechen. Das Ansprechen des Tumors auf die Chemotherapie sei deshalb anders zu werten als eine Remission der Lymphknoten. Somit zählten die vor Therapiebeginn identifizierten klinisch befallenen Lymphknoten hier als ausreichendes Kriterium für eine adjuvante Therapie mit Abemaciclib.

Ergänzend hierzu machte Prof. Wöckel darauf aufmerksam, dass es seiner Ansicht nach wichtig sei, Patient:innen für die Kombinationstherapie zu motivieren. Welche Relevanz verschiedene Therapiefaktoren wie die Risikoreduktion und die Vermeidung von Nebenwirkungen dabei haben, zeigte er anhand einer Conjoint-Analyse aus dem Jahr 2023 auf. Mehr dazu erfahren Sie hier:

Zu den Ergebnissen

CDK4 & 6 Inhibitoren im metastasierten Setting: ein Überblick

Beim HR+, HER2- mBC sind CDK4 & 6 Inhibitoren in Kombination mit ET der Behandlungsstandard und werden von nationalen sowie internationalen Leitlinien unabhängig vom Menopausenstatus empfohlen.7

Zu den aktuellen AGO-Empfehlungen

Im zweiten DKK-Symposium ging u. a. Prof. Jens Huober, St. Gallen, auf die aktuellen Daten im metastasierten Setting ein und betonte, die Kombinationstherapie sei in der ersten und zweiten Therapielinie nicht nur wirksamer als die alleinige ET, sondern auch effektiver als eine Chemotherapie – selbst bei viszeraler Metastasierung und damit ungünstiger Prognose. Deshalb appellierte der Gynäkoonkologe an die Behandler:innen im Auditorium, nicht dem ersten Impuls zu folgen, eine zytostatische Behandlung bei aggressiver viszeraler Erkrankung zu bevorzugen.

Unter den drei zugelassenen CDK4 & 6 Inhibitoren in der metastasierten Situation hätten zwei –Abemaciclib**,° und Ribociclib – einen numerischen bzw. statistisch signifikanten OS-Vorteil gezeigt, was sie aus Prof. Huobers Sicht zu bevorzugten Optionen für den klinischen Alltag mache. Die finale Therapieentscheidung falle auf Basis der Effektivitätsdaten und des Sicherheitsprofils.

Prof. Huober merkte an, dass der OS-Vorteil für Abemaciclib in MONARCH 3 zwar das Signifikanzniveau verfehlt habe – vermutlich bedingt durch die Underpowerung für den Endpunkt OS –, der numerische OS-Benefit aber deutlich zu sehen sei. Diese Einschätzung ergäbe sich aus den finalen Wirksamkeitsdaten der MONARCH-3-Studie, die numerische OS-Vorteile sowohl für die Gesamtpopulation der Behandelten als auch für Patientinnen mit viszeralen Metastasen zeigen konnte.8

Finale MONARCH-3-Daten bestätigen Langzeitwirksamkeit von Abemaciclib

In MONARCH 3 erhielten Patientinnen mit fortgeschrittenem HR+, HER2- Brustkrebs Abemaciclib in Kombination mit einem nicht-steroidalen Aromatasehemmer (nsAI).1

Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS, primärer Endpunkt) war nach einem medianen Follow-up von 8 Jahren weiterhin signifikant zugunsten der Kombinationsbehandlung mit Abemaciclib verlängert (29,0 vs. 14,8 Monate; HR 0,535; 95 %-KI 0,429-0,668; p < 0,0001; das Signifikanzniveau wurde bereits in vorausgehenden Analysen erreicht). Es zeigte sich ein 6-Jahres-PFS von 23,3 % vs. 4,3 % im Vergleichsarm, so Prof. Huober.8

Daneben sei – trotz Verfehlens der Signifikanzschwelle – mit einem Delta von 13,1 Monaten im Vergleich zu Placebo plus AI ein medianes OS von 66,8 Monaten unter der Therapie mit Abemaciclib in Kombination mit AI erreicht worden (66,8 vs. 53,7 Monate; HR 0,804; 95 %-KI 0,637-1,015; p = 0,0664).8

Besonders bedeutsam aus Sicht des Gynäkoonkologen: Der OS-Benefit für Frauen mit viszeralen Metastasen war mit einem Delta von 14,9 Monaten stark ausgeprägt. Auch wenn die Ergebnisse für diese Subgruppe nicht signifikant waren, legt das „eindrucksvoll große Delta bei viszeraler Metastasierung“ für Prof. Huober den Einsatz von Abemaciclib in dieser Therapiesituation nahe.

Ein Beispiel für eine solche Therapiesituation finden Sie in diesem Fall einer 54-jährigen postmenopausalen Patientin mit Lungenmetastasen:

Zur interaktiven Kasuistik

* Abemaciclib (Verzenios®) ist in Kombination mit einer endokrinen Therapie angezeigt für die adjuvante Behandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit HR+, HER2- nodal-positivem Brustkrebs im frühen Stadium mit einem hohen Rezidivrisiko#. Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sollte die endokrine Aromatasehemmer-Therapie mit einem LHRH-Agonisten (LHRH = Luteinising Hormone-Releasing Hormone) kombiniert werden.1
** Abemaciclib ist angezeigt zur Behandlung von Frauen mit HR+, HER2- lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant als initiale endokrine Therapie oder bei Frauen mit vorangegangener endokriner Therapie. Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sollte die endokrine Therapie mit einem LHRH-Agonisten kombiniert werden.1
# Hohes Rezidivrisiko definiert als ≥ 4 positive axilläre Lymphknoten oder 1-3 positive axilläre Lymphknoten und mind. eins der folgenden Kriterien: Tumorgröße ≥ 5 cm oder histologischer Grad 3.1
~ Die ITT-Population in der monarchE Studie bestand aus Kohorte 1 (n = 5.120) und Kohorte 2 (n = 517). Die Zulassung wurde basierend auf Kohorte 1 erteilt. Einschlusskriterien der Kohorte 2 waren 1-3 paLN und alle der folgenden Kriterien: Tumorgröße < 5 cm, histologischer Grad < 3 und zentral getesteter Ki-67-Index ≥ 20 %.
° Es handelt sich um einen sekundären Endpunkt und es gibt keine Head-to-Head-Studien. Daher sind die Studienergebnisse nur eingeschränkt vergleichbar.


Quelle

  1. Fachinformation Verzenios®, aktueller Stand.
  2. Johnston SRD et al. Abemaciclib Combined With Endocrine Therapy for the Adjuvant Treatment of HR+, HER2-, Node-Positive, High-Risk, Early Breast Cancer (monarchE). J Clin Oncol. 2020;38(34):3987-3998.
  3. Di Cosimo S et al. CDK 4/6 inhibitors mired in uncertainty in HR positive and HER2 negative early breast cancer. Breast. 2021;55:75-78.
  4. Hortobagyi G et al. Ribociclib (RIB) + nonsteroidal aromatase inhibitor (NSAI) as adjuvant treatment in patients with HR+/HER2− early breast cancer: final invasive disease–free survival (iDFS) analysis from the NATALEE trial. SABCS, 5-9. Dezember 2023, Abstract GA03-03.
  5. Lux, Wöckel. Adjuvante endokrin-basierte Therapie bei prä-und postmenopausalen Patientinnen. AGO Mamma - State of the Art Meeting: Livestream am 02.03.2024, unter https://www.ago2024.de/ (zuletzt abgerufen am 04.03.2024).
  6. Harbeck N et al. Oral Presentation at ESMO Congress, Madrid, Spain, October 20-24th, 2023.
  7. Banys-Paluchowski et al. Endokrin-basierte und zielgerichtete Therapie des metastasierten Mammakarzinoms. Stand April 2023. unter: https://www.ago-online.de/fileadmin/ago-online/downloads/_leitlinien/kommission_mamma/2023/Einzeldateien/AGO_2023D_18_Endokrine_und_zielger_Therapie_met._MaCa.pdf (zuletzt abgerufen am 18.03.2024).
  8. Goetz MP et al. MONARCH 3: Final overall survival results of abemaciclib plus a nonsteroidal aromatase inhibitor as first-line therapy for HR+, HER2- advanced breast cancer. SABCS, 5-9. Dezember 2023.

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