Adjuvante Strahlentherapie: Wer profitiert?
Die Strahlentherapie ist Standard beim frühen Brustkrebs: Doch profitieren alle Patientinnen von der Behandlung? Eine aktuelle Langzeitstudie gibt Aufschluss.
Bisher: Metaanalyse zeigte Benefit durch Strahlentherapie auf
Bereits im Jahr 2011 konnte eine Metaanalyse der Early Breast Cancer Trialists Collaborative Group (EBCTCG) den positiven Effekt der Strahlentherapie nach einer brusterhaltenden Operation bei 10.801 Patientinnen nachweisen.3
Die Strahlentherapie
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halbierte das 10-Jahres-Risiko für einen Rückfall (absolute Reduktion von 15,7 %; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 13,7-17,7; 2p < 0,00001) und
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reduzierte die Brustkrebsmortalität nach 15 Jahren um ca. ein Sechstel (absolute Reduktion von 3,8 %; 95 %-KI 1,6-6,0; 2p = 0,00005).3
Um diesen Effekt auch nach einem längeren Follow-up zu prüfen, veröffentlichten Williams et al. im September 2024 ein 30-Jahres-Update der randomisierten kontrollierten Studie „Scottish Breast Conservation Trial“.2
585 Patientinnen (< 70 Jahren) mit frühem Brustkrebs (eBC) erhielten nach der brustkonservierenden Operation eine adjuvante Systemtherapie je nach Estrogenrezeptor (ER)-Status. Im Weiteren wurden sie nach menopausalem Status und dem ER-Status stratifiziert und zu Strahlentherapie (n = 291) oder keine Strahlentherapie (n = 294) randomisiert.2
- 585 eBC-Patientinnen (Frauen < 70 Jahren) mit Tumoren ≤ 4 cm (T1 oder T2 und N0 oder N1)
- Brustkonservierende Operation und adjuvante Systemtherapie:
- bei ER-positiven Patientinnen: 20 mg Tamoxifen oral täglich für 5 Jahre
- bei ER-negativen Patientinnen: Chemotherapie
- Randomisierung zu Strahlentherapie (n = 291) oder keine Strahlentherapie (n = 294)
- Primärer Endpunkt: ipsilaterales Brustkrebsrezidiv
- Ko-primärer Endpunkt in dieser Analyse: Gesamtüberleben
- Medianes Follow-up von 17,5 Jahren
Neu: Bleibt der Benefit auch bei längerem Follow-up bestehen?
Nach einem medianen Follow-up von 17,5 Jahren zeigten sich signifikant weniger ipsilaterale Rezidive (primärer Endpunkt) in der Interventions-Gruppe:2
- Strahlentherapie: Rezidiv bei 16 % (n = 46 von 291) der Patientinnen
- Keine Strahlentherapie: Rezidiv bei 36 % (n = 107 von 294) der Patientinnen
- Hazard Ratio (HR) 0,39 (95 %-KI 0,28-0,55; p < 0,0001)
Dieser Unterschied blieb bestehen, wenn nur die ersten 10 Jahre nach der Operation eingeschlossen wurden: HR 0,24 (95 %-KI 0,15-0,38; p < 0,0001).2
Der Benefit der Strahlentherapie wurde jedoch nicht beobachtet, wenn die Rezidive erst nach mehr als 10 Jahren nach der Operation auftraten: Das Risiko hierfür war in beiden Gruppen ähnlich mit einer HR von 0,98 (95 %-KI 0,54-1,79; p = 0,95). Ergänzend dazu zeigte sich insgesamt kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich dem medianen Gesamtüberleben (OS):2
- Strahlentherapie: Das mediane OS betrug 19,2 Jahre (95 %-KI 16,9-21,3).
- Keine Strahlentherapie: Das mediane OS lag bei 18,7 Jahren (95 %-KI 16,5-21,5).
- HR 1,08 (95 %-KI 0,89-1,30; log-rank p = 0,43)
Die Studienautor:innen schlussfolgerten, dass Patientinnen, deren Biologie ein late relapse (mehr als 10 Jahre nach der brusterhaltenden Operation) vorhersagt, wenig von der adjuvanten Strahlentherapie profitieren könnten. Dies sei allerdings noch eine Hypothese, die geprüft werden muss.2
Wenn die Strahlentherapie eingesetzt wird: Hat es einen Einfluss auf das Überleben von Hormonrezeptor-positiven (HR+) eBC-Patientinnen, wenn erst danach mit der adjuvanten endokrinen Therapie begonnen wird?
Hier zur Antwort
Bestimmte Faktoren erhöhen das Rezidivrisiko in der Adjuvanz
Die adjuvante Strahlentherapie gehört zum Standard bei eBC-Patient:innen, die sich einer brusterhaltenden Operation unterziehen. Den Einsatz einer Chemotherapie empfiehlt die S3-Leitlinie Mammakarzinom wiederum bei verschiedenen Faktoren, die das Rezidivrisiko erhöhen können, wie z. B.:1
Neben diesen konventionellen Prognosemarkern kann auch der Ki-67-Wert herangezogen werden.1 Wie künstliche Intelligenz helfen könnte, den Cut-Off für Ki-67 zu bestimmen, erfahren Sie im Beitrag „Ki-67: Ab welchem Wert besteht ein hohes Risiko?“.
Wie das Rezidivrisiko bei eBC-Patient:innen einschätzen? Einen Überblick zu Prognosefaktoren, genomischen Assays und prognostischen Systemen, die genutzt werden können, erhalten Sie in dieser Infografik:
Zum Download
- Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand Juni 2021. AWMF-Reg.-Nr. 032-045OL, unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLl_S3_Mammakarzinom_2021-07.pdf (zuletzt abgerufen am 04.06.2024).
- Williams LJ et al. Postoperative radiotherapy in women with early operable breast cancer (Scottish Breast Conservation Trial): 30-year update of a randomised, controlled, phase 3 trial. The Lancet Oncology. 2024;25(9):1213-1221.
- Darby S et al. Effect of radiotherapy after breast-conserving surgery on 10-year recurrence and 15-year breast cancer death: meta-analysis of individual patient data for 10,801 women in 17 randomised trials. Lancet. 2011;378(9804):1707-1716.
PP-ON-DE-2511