Brustkrebs: Biomarker-Tests unter der Lupe

Ein neuer IQWiG-Bericht zu biomarkerbasierten Tests wie MammaPrint und Oncotype DX wirft Fragen zu Risiken und Nutzen auf. Was zeigen die Ergebnisse?

Biomarker-Tests analysieren Risiko für einen Rückfall

Nach der operativen Entfernung eines Brusttumors ist die Einschätzung des Rezidivrisikos essenziell, um eine adäquate adjuvante Therapie zu wählen. Insbesondere bei einer Chemotherapie, die mit schwerwiegenden Nebenwirkungen einhergehen kann, sollte der absolute Nutzen der Behandlung sorgfältig abgewägt werden.1

Neben den klassischen klinisch-pathologischen Prognosefaktoren spielen Multigentests eine zunehmend wichtige Rolle bei der Risikoeinschätzung. Derzeit erstatten die gesetzlichen Krankenkassen 4 biomarkerbasierte Tests: MammaPrint, Oncotype DX, EndoPredict und Prosigna.2

Ein Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) analysierte nun, welchen Nutzen die ersten beiden Tests bei der Entscheidung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie beim primären Hormonrezeptor-positivem (HR+), HER2-negativem (HER2-) Mammakarzinom haben.2

Ergebnisse abhängig vom Menopausenstatus

Für die Analyse zog das IQWiG die randomisierten kontrollierten Studien MINDACT (MammaPrint) und RxPONDER sowie TAILOR (Oncotype DX) heran und unterschied zwischen Patientinnen mit und ohne Lymphknotenbefall.2

Laut IQWiG sollten Brustkrebspatientinnen bis 50 Jahre bzw. vor der Menopause ihre Entscheidung gegen eine adjuvante Chemotherapie nicht auf Grundlage von MammaPrint oder Oncotype DX treffen.

Denn unabhängig davon, ob ihre Lymphknoten bereits vom Krebs befallen sind oder nicht, würden sie dann eventuell auf eine Therapie verzichten, die ein Rezidiv verhindern könnte.2

Folgende Schlussfolgerungen zeigten sich im Detail für die 2 Tests hinsichtlich einer biomarkerbasierten Entscheidung gegen eine Chemotherapie:

Bei Patientinnen mit Befall von 1 bis 3 Lymphknoten2

Bei prämenopausalen Patientinnen ohne Lymphknotenbefall2

Klinische Faktoren, die das Rezidivrisiko in der Adjuvanz erhöhen

Den Einsatz einer adjuvanten Chemotherapie empfiehlt die S3-Leitlinie Mammakarzinom bei verschiedenen klinischen Faktoren wie z. B.:1

Neben diesen konventionellen Prognosemarkern kann auch der Ki-67-Wert herangezogen werden. Einen Überblick zu den Prognosefaktoren, genomischen Assays und prognostischen Systemen, die genutzt werden können, finden Sie in folgender Infografik:

Zum Download

Wie bei einem erhöhten Rezidivrisiko in der Praxis vorgegangen werden kann, zeigt folgender Fall einer 37-jährigen Patientin mit HR+, HER2- eBC und familiärer Vorbelastung von PD Dr. Mattea Reinisch, Essen, auf:

Zur Kasuistik


Quelle

  1. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand Juni 2021. AWMF-Reg.-Nr. 032-045OL, unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLl_S3_Mammakarzinom_2021-07.pdf (zuletzt abgerufen am 13.02.2025).
  2. Biomarkerbasierte Tests zur Entscheidung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie beim primären Mammakarzinom mit Befall von 1 bis 3 Lymphknoten und bei prämenopausalen Patientinnen ohne Lymphknotenbefall. IQWiG, Stand: 21.10.2024, https://www.iqwig.de/download/d23-01a-und-d23-01b_biomarker-beim-primaeren-mammakarzinom_abschlussbericht_v1-0_final.pdf (abgerufen am 13.02.2025).

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